Ein Jahr danach

Foto di Azzurra Primavera

Vor genau einem Jahr, es war der 11. März, verkündete der damalige Ministerpräsident Giuseppe Conte den ersten Lockdown, die uns für mehrere Wochen am Stück einschließen sollte: “Wir bleiben heute getrennt, um uns wärmer zu umarmen, um morgen schneller zu laufen. Alle zusammen werden wir es schaffen.” Wir müssen auf diese Begriffe achten – Abstand, heute, Umarmungen, Laufen, morgen, Gemeinschaft, es schaffen – und uns fragen, was sich wirklich verändert hat. Der Abstand, der uns trennte, hat sich verkleinert, aber auf unregelmäßige Weise; der heutige Tag hat sich über alle Maßen ausgedehnt, es ist zu einer Frage geworden, wer weiß, wie lange noch; die Umarmungen sind mit Misstrauen behaftet; das Laufen ist durch wiederholtes Stolpern unterbrochen; der morgige Tag ist der von Lorenzo il Magnifico, von dem “es keine Gewissheit gibt”; die Gemeinschaft ist zerrissen; die Fähigkeit, es zu schaffen, ist inzwischen eine Hoffnung, die, wenn sie nicht tot ist, sicherlich in einem Krankenhausbett liegt. Das Einzige, was sich wirklich geändert hat: Statt Conte steht nun mit Mario Draghi, ein Ministerpräsident an der Spitze des Landes, dem ein fast einstimmiges Parlament blind das Vertrauen ausgesprochen hat. Vor einem Jahr habe ich versucht, die Empfindungen und Gefühle einer damals so ungewöhnlichen Situation in einem Buch festzuhalten. Die Tage waren warm, die Straßen leer, die Gedanken, wenn auch tastend, köchelten vor sich hin. Selbst in der Unbequemlichkeit der Umstände glaubte keiner von uns, dass der Einsatz, zu dem wir berufen waren, sehr lange dauern würde. Als dann der Sommer kam und die Abriegelung gelockert wurde, schien es, als könnten wir bald zum “normalen” Leben zurückkehren. Wir haben uns geirrt. Es wurden so viele Fehler gemacht, wir haben sie sicherlich alle gemacht, aber niemand fühlt sich wirklich verantwortlich, und es wurde sowieso wenig gelernt, selbst aus den offensichtlichsten. Wenn ich heute ein weiteres Buch verfassen müsste, wüsste ich nicht, was ich hineinschreiben sollte. Ich würde es sicherlich sehr schwierig finden, mir ein Ende vorzustellen, geschweige denn ein glückliches. Es herrscht eine große Müdigkeit, eine tiefe Desorientierung. Selbst die Worte sind müde, sie kommen nur schwer heraus oder fallen auf dem Grat eines vergesslichen Gedächtnisses auseinander.

ff – 11 marzo 2021

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