Wir und die Drogen

Vincenzo Muccioli

In den letzten Tagen hat sich die öffentliche Debatte im Netz an einer Dokumentarserie entzündet (auf Netflix ausgestrahlt), die die Erfahrungen einer therapeutischen Gemeinschaft ins Bewusstsein rückte, die in Italien in den späten siebziger Jahren und in den folgenden Jahrzehnten sehr berühmt war: “SanPa – Lichter und Dunkelheit von San Patrignano”, heißt die Serie. Ich kann nicht auf diese Serie eingehen, da ich sie nicht gesehen habe, und es ist auch nicht meine Absicht, zu viele Worte über die umstrittene Figur von Vincenzo Muccioli zu verlieren, dem Schöpfer und in gewisser Weise dem Tyrannen von San Patrignano. Vielmehr habe ich einige Fragen, die ich mit meinem privilegierten Zugang zu einer deutschsprachigen Leserschaft stellen möchte. Berühren die Geschehnisse in San Patrignano in irgendeiner Weise die Erfahrungen der ehemaligen Drogenabhängigen vor Ort? Sind Südtiroler in dieser Gemeischaft oder in Gemeinschaften dieser Art gelandet? Und wenn das nicht der Fall ist – die fehlende Reaktion auf diese Serie aus dem deutschsprachigen Raum legt das nahe – wie wurde (und wird) das Problem der Drogen und der Auswirkungen, die sie auf den Einzelnen und die Gesellschaft hatten (und immer noch haben), in Südtirol angegangen? Heute hat der Drogenkonsum eine sehr geringe Sichtbarkeit im Vergleich zu dem, was vor vierzig Jahren geschah, und wenn überhaupt, dann konzentriert sich die ganze Aufmerksamkeit auf jene Phänomene des Drogenhandels, die einige wenige Orte in der Stadt betreffen (in Bozen spricht man oft über den Parco Stazione), ohne dass die Konsumenten jemals in den Orbit der Diskussion eintreten. Aber der Mangel an Sichtbarkeit bedeutet nicht, dass das Phänomen verschwunden ist. Ganz im Gegenteil. Es ist offensichtlich, dass sich die Phänomenologie der Sucht verändert hat und dass die Logik der Genesung ganz anderen Wegen folgt, als in der Dokumentation dargestellt, aber gerade aus dem Vergleich mit der Vergangenheit könnten sich Sichtweisen und Überlegungen ergeben, die uns helfen, etwas mehr über die aktuelle Situation und die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft dieses Thema lebt und verstoffwechselt, zu verstehen. Ich appelliere nie direkt an diejenigen, die mich lesen, und ich bin der Meinung, dass, wenn das, womit wir uns beschäftigen, uninteressant ist, es die Schuld derjenigen ist, die das Thema vorschlagen, nicht derjenigen, die sich betroffen fühlen sollten. Aber dieses Mal würde es mir leid tun, wenn meine Worte auf taube Ohren stoßen würden, und ich wäre wirklich daran interessiert, ein Feedback von denen zu erhalten, die in voller Kenntnis der Sachlage über diese Art von Erfahrung sprechen können.

ff – La colonnina – 14 gennaio 2021

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