Ankerlichten

'Duddon Sands' circa 1825-32 by Joseph Mallord William Turner 1775-1851

Ich bin einem Denken zugeneigt, das seitlich ausschert, das sich nicht mit Schlussfolgerungen aus den eigenen Voraussetzungen zufriedengibt, sondern bereit ist, gegen die Richtung des eigenen Stroms zu gehen, so wie Hölderlin es in Bezug auf den „Ister“ sagte, die Donau, die „rückwärts zu gehen“ scheint, um genau jene Bedingungen der Möglichkeit in Frage zu stellen, aus denen es hervorgeht und sich speist; aber auch ohne an die Grenzen dieses Widerspruchs zu stoßen, liebe ich ein Denken, das frei ist sich zu vernachlässigen oder besser, sich ohne eigenes Zutun zu erneuern – und zu riskieren, nicht zu wissen, was es weiß, oder aus dem, was es weiß, herauszuholen, was es noch nicht einmal ahnte, weil es nicht voraussehen konnte, nicht voraussehen wollte. Aber es er-wartet es, wenn es es denn erwartet, wie jemand, der auf keine Möglichkeit verzichtet, auch dann nicht, wenn er glaubt, im verkalkten Herzen einer Sicherheit zu wohnen, in die niemand eine Kerbe zu schlagen wagt. So sei es denn ein Denken voll von eingeschlagenen Kerben, plötzlichen Richtungsänderungen, von kurzem Luftholen inmitten des Tumults, ein Denken von Krieg in Zeiten des Friedens. Ein Ankerlichten, ein Segeln unter wechselnden Winden, ein Zuruf an Untiefen und Klippen, ohne je den Schiffbruch zu fürchten.

Dank an Anna Rottensteiner

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