Verschiedenes zur Einheit Italiens

Questo è il terzo contributo che pubblico a margine (e come documentazione) della manifestazione che abbiamo fatto sull’Unità d’Italia. L’autore è il giornalista e consigliere comunale (Bressanone) di Süd-Tiroler Freiheit Harthmuth Staffler.  

Es ist behauptet worden, dass die Einigung Italiens vom Volk ausgegangen sei, die zehn Jahre später erfolgte Einigung Deutschlands hingegen von oben herab diktiert wurde. Das stimmt nicht. In Italien hat eine Schicht von Intellektuellen die Einigung vollkommen unterschiedlicher Gebieten erzwungen; an den Abstimmungen durften sich nur knapp zwei Prozent der Bevölkerung beteiligen, weil die Masse nicht wahlberechtigt war und nicht einmal lesen und schreiben konnte bzw. durfte. Noch 1834 war im Königreich Piemont/Sardinien das Lesen lernen nur Vermögenden erlaubt, während es in Österreich seit 1774 für alle Pflicht war. Eine deutsche Einigung, ausgehend vom Volk, wäre beinahe 1848 zustande gekommen. Der Anstoß dazu ging vom Tiroler Freiheitskampf 1809 aus, der den deutschen Freiheitskrieg 1813 beeinflusste und auch auf die Revolution von 1848 und das Frankfurter Parlament Auswirkungen hatte, in dem sich unser Brixner Abgeordneter Jakob Phillip Fallmerayer für die deutsche Einheit einsetzte. Mit Recht dichtete Julius Mosen 1834 unter Bezug auf 1809: „…ganz Deutschland ach in Schmach und Schmerz“.

Es ist eine unglückliche Idee, den 17. März als Jahrtag der Einheit Italiens zu feiern. Am 17. März 1861, also vor 150 Jahren, ist ein Königreich Italien ausgerufen worden. Das ist ein historisches Datum wie viele andere, an die man ohne weiteres erinnern kann, ohne deswegen feiern zu müssen. Kurioserweise ist ja auch das vorherige Königreich Italien, jenes von Napoleon Bonaparte, an einem 17. März ausgerufen worden, und zwar 1805. Solche historische Jahrtage sollte man zum Anlass nehmen, um sich mit der Geschichte zu befassen und daraus zu lernen, nicht aber um sie nationalistisch auszuschlachten.

Genau das ist aber jetzt der Fall. Man begeht den 17. März nicht als ein interessantes Geschichtsdatum, sondern zweckentfremdet als „Tag der Einheit Italiens“. Die Einheit Italiens hat mit dem 17. März 1861 nicht viel zu tun. Damals wurde das Königreich Italien proklamiert, das am 2. Juni 1946 mit einem Referendum wieder abgeschafft wurde. Beide Male war Tirol nicht beteiligt. 1861 gehörten wir noch zu Österreich, 1946 durften wir nicht abstimmen, weil noch nicht geklärt war, ob wir bei diesem Staat bleiben müssen, der nicht der unsere ist, weil wir eben keine Italiener sind. Das Königreich Italien vom Jahr 1861 war noch nicht vollständig. Es fehlte noch Venetien und ein Teil des Kirchenstaates. Venetien kam dank der Hilfe Preußens 1866 hinzu, der Kirchenstaat 1870. Damit war Italien vereint und die hehren Ansprüche des Risorgimento waren erfüllt. Alles, was danach kam, hat gegen diese Grundsätze verstoßen.

Wenn Italien die Einheit des Staates in den heutigen Grenzen feiert, dann feiert es das Ergebnis von imperialistischer Aggression gegen fremde Völker und von Verrat an eigenen Landsleuten. Schon 1859 hat König Viktor Emanuel die mehrheitlich italienische Grafschaft Nizza den Franzosen überlassen, um ihre entscheidende Hilfe beim Erwerb der Lombardei zu erhalten. Nach dem Ersten Weltkrieg hat sich Italien, das den Krieg zu seinem Glück auf der Seite der Sieger beendet hatte, das zu einem großen Teil von Slowenen besiedelte österreichische Küstenland (Görz/Gradisca, Istrien und Triest) sowie den Großteil des Kronlandes Tirol angeeignet. Der südliche Teil Tirols war zwar überwiegend italienischsprachig, doch war die Bevölkerung keineswegs damit einverstanden, zu Italien zu kommen, so wie auch die italienischsprachige Bevölkerung der Schweiz kein Bedürfnis verspürt hätte, von Italien erobert zu werden. Die Annexion des deutschsprachigen Süd-Tirol war auch in Italien sehr umstritten. Im Parlament stimmten 1920 nur 170 Abgeordnete dafür, 48 waren dagegen. Für die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung Süd-Tirols war die Annexion durch Italien eine Katastrophe. Von einem Vielvölkerstaat, in dem die Sprachen aller Völker respektiert wurden, war das mehrsprachige Tirol zum Nationalstaat Italien gekommen, der nur eine Sprache duldete und diese Unduldsamkeit im Prinzip bis heute gewahrt hat. Mit dem Begriff „Einheit Italiens“ wird in Südtirol daher in erster Linie die extreme Diskriminierung der einheimischen Bevölkerung verbunden, die mit der imperialistischen Expansion Italiens verbunden ist. Alle Abschwächungen dieser Diskriminierung, die in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten erfolgt sind, d. h. die viel gepriesene Autonomie, waren kein Entgegenkommen des Nationalstaates Italien, sondern Folgen des Druckes der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg, die eine Autonomie als Ersatz für die Selbstbestimmung verlangten, sowie von zwei UN-Resolutionen, die Italien zum Verhandeln mit Österreich verpflichteten. Vor allem waren es aber die Aktivitäten der Freiheitskämpfer, die Italien zum Nachgeben zwangen.

Das Land Tirol ist 1248, also vor 763 Jahren entstanden, als die Grafen von Tirol erstmals auch Gebiete nördlich des Brenners beherrschten, von denen wir heute leider getrennt sind. Im Jahr 1282, vor 729 Jahren, ist mit dem Urteilsspruch des Bischofs Konrad von Chur, der unsere Selbstständigkeit und Unabhängigkeit vom Herzogtum Bayern bestätigte, das Land Tirol staatsrechtlich anerkannt worden. Seit 1363 hat dieses Tirol zum Herrschaftsbereich der Habsburger und damit zu Österreich gehört. Gegenüber den über 700 Jahren der Eigenstaatlichkeit und Einheit Tirols sind die 150 Jahre Italiens und die 91 Jahre unserer Zugehörigkeit zu diesem Italien unbedeutend.

Der 17. März als 150. Jahrtag der Gründung des bis 1946 bestehenden Königreiches Italien ist ein durchaus interessantes historisches Datum, das jeder nach persönlicher Einstellung feiern kann oder auch nicht. Am 17. März kann man aber auch an die Uraufführung von Friedrich Schillers Wilhelm Tell vom 17. März 1804 in Weimar denken, ein aktuelles Thema, weil ja auch wir in Bozen mit dem Siegesdenkmal eine Art überdimensionalen Gesslerhut stehen haben. Ich persönlich verbinde mit dem 17. März das Referendum, mit dem am 17. März 1992 die große Mehrheit der Weißen in Südafrika für die Abschaffung der Apartheid gestimmt hat. Die südafrikanische Apartheid hatte die vom faschistischen Italien in Äthiopien eingeführte Rassentrennung zum Vorbild.

Den 17. März als Jahrtag der italienischen Einheit könnten wir nur respektieren, wenn damit die Vollendung der Einheit Italiens nach der Eroberung des Kirchenstaates im Jahr 1870 gemeint wäre, nicht aber nach der imperialistischen Eroberung fremder Gebiete. Einen Großteil dieser eroberten fremden Gebiete hat Italien inzwischen wieder verloren; niemand wäre auf die Idee gekommen, Äthiopien oder Libyen, dessen Staatschef Muammar Gaddhafi im Jahr 1942 noch als italienischer Staatsbürger geboren wurde, zum Mitfeiern einzuladen. Italien hat sogar so viel Takt bewiesen, Österreich nicht einzuladen, so dass Bundespräsident Fischer nicht absagen musste. Von uns Südtirolern wollte man aber verlangen, dass wir mitfeiern. Man hat kein Verständnis dafür, dass wir eine  Einheit Italiens mit den heutigen Grenzen, die das  Ergebnis imperialistischer Aggression sind, niemals feiern können.  

Es würde genügen, wenn Italien den Anspruch auf das nicht italienische Süd-Tirol aufgeben und einer Grenzverschiebung zustimmen würde, die sich in vielen Teilen Europas als Mittel zur Entspannung bewährt hat. Dann würden wir den 17. März gerne feiern.